Colorado Lake and Mountains
Kolorado See / ©truelight/depositphotos.com

Nordamerika reicht vom Packeis des Arktischen Ozeans bis zu den Palmen der Karibik. Dazwischen liegen drei große Länder, die kaum unterschiedlicher sein könnten: die USA, Kanada und Mexiko. Dazu kommen Grönland als größte Insel der Welt und eine Reihe kleinerer Inseln und Territorien. Wer hierher reist, sollte sich früh entscheiden, wohin genau. Ein Roadtrip durch Arizona hat mit einer Bärenbeobachtung in British Columbia oder einem Tauchgang vor Yucatán ungefähr so viel gemeinsam wie Sizilien mit Spitzbergen.

Dieser Ratgeber fasst zusammen, was vor der Reise wirklich zählt. Einreise, beste Reisezeit, Geld, Gesundheit, Sicherheit. Und für alle, die nicht nur Urlaub machen, sondern bleiben wollen, gibt es weiter unten einen eigenen Abschnitt zum Auswandern.

Geografie und Landschaft

Im Herzen des Kontinents liegen die Great Plains, ein flaches Land aus Prärie und großen Flüssen. Im Westen schieben sich die Rocky Mountains auf über 4000 Meter, im Osten verlaufen die deutlich älteren, abgeschliffenen Appalachen. Kalifornien hat fruchtbare Täler und gleichzeitig das Death Valley, den heißesten Ort Nordamerikas. Die Niagarafälle an der Grenze zwischen Kanada und den USA und der Grand Canyon im Südwesten gehören zu den bekanntesten Naturzielen der Welt.

Klimatisch deckt Nordamerika fast alles ab. Subarktis in Nordkanada und Alaska, gemäßigte Zonen in der Mitte, Wüste im Südwesten der USA, tropisches Klima in Südmexiko. Das wirkt sich direkt auf die Reiseplanung aus, dazu gleich mehr.

Einreise: Was Touristen 2026 brauchen

Für alle drei Länder gilt: Der biometrische Reisepass ist Pflicht. Der Personalausweis reicht nicht, auch nicht für Kinder. Vorläufige Pässe und alte Kinderreisepässe werden von den USA nicht akzeptiert. Ein neuer Reisepass dauert in Deutschland derzeit zwei bis drei Monate, das sollte man einplanen.

USA: ESTA über das Visa Waiver Program

Deutsche, österreichische und Schweizer Staatsbürger reisen visumfrei über das Visa Waiver Program. Voraussetzung ist eine genehmigte ESTA (Electronic System for Travel Authorization), die online beantragt wird. Sie erlaubt touristische und bestimmte geschäftliche Aufenthalte von bis zu 90 Tagen.

  • Kosten: 40,27 US-Dollar pro Person (Stand 2026, seit Herbst 2025 erhöht). Antrag ausschließlich über die offizielle Regierungsseite, nicht über teure Vermittlerportale.
  • Gültigkeit: zwei Jahre oder bis der Reisepass abläuft, je nachdem was zuerst eintritt.
  • Bearbeitung: meist wenige Minuten, in Einzelfällen länger. Lieber eine Woche vor Abflug beantragen, nicht erst am Vorabend.

Seit Januar 2026 sind biometrische Kontrollen (Foto, Fingerabdrücke) an allen US-Flughäfen Standard. Wichtig zu verstehen: Eine genehmigte ESTA ist kein Garantieschein. Die endgültige Entscheidung trifft der Grenzbeamte bei der Ankunft. Bei der Befragung geht es um Reisezweck, Dauer, erste Unterkunft und Rückflug. Falsche oder widersprüchliche Angaben können zur Einreiseverweigerung führen, also ehrlich bleiben.

Wer nach dem 12. Januar 2021 in Kuba war oder bestimmte andere Länder besucht hat, kann ESTA nicht nutzen und braucht ein reguläres Visum. Das kostet rund 200 Euro, erfordert ein Interview in der Botschaft und Wartezeiten von mehreren Wochen.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Auch die Einreise auf dem Landweg, etwa mit dem Zug von Vancouver nach Seattle, braucht eine gültige ESTA oder ein Visum.

Kanada: eTA nur bei Flugreisen

Für Kanada brauchen Deutsche kein Visum, solange der Aufenthalt unter sechs Monaten bleibt. Bei Anreise mit dem Flugzeug ist eine eTA (Electronic Travel Authorization) Pflicht.

  • Kosten: 7 kanadische Dollar, also etwa 5 Euro.
  • Gültigkeit: bis zu fünf Jahre, mehrere Einreisen möglich.
  • Wichtig: Wer auf dem Landweg einreist, etwa mit dem Auto aus den USA, braucht keine eTA. Nur den gültigen Reisepass.

Den Antrag stellt man über das offizielle IRCC-Portal, auch auf Deutsch. Pass, Kreditkarte und E-Mail-Adresse reichen. Vorsicht bei der Eingabe der Passnummer, ein Tippfehler dort macht die eTA wertlos.

Mexiko: FMM-Touristenkarte

Mexiko verlangt von Deutschen kein Visum. Pflicht ist die FMM (Forma Migratoria Múltiple), die Touristenkarte. Bei Anreise per Flugzeug gibt es sie in digitaler Form, die Gebühr steckt meist schon im Flugticket. Bei Landeinreise bekommt man die Papierversion. Der Pass muss ab Einreisedatum noch mindestens sechs Monate gültig sein. Die FMM erlaubt bis zu 180 Tage Aufenthalt und sollte immer mitgeführt werden.

Achtung bei der Sicherheitslage: Das Auswärtige Amt rät von Reisen in einzelne Bundesstaaten ab, darunter Teile von Jalisco, Guanajuato und Tamaulipas. Vor der Buchung lohnt ein Blick auf die aktuellen Hinweise.

Beste Reisezeit

Eine pauschale Antwort gibt es nicht, weil der Kontinent klimatisch zu groß ist. Grob:

  • Nordosten der USA und Ostkanada: Spätfrühling bis Herbst. Der Indian Summer im September und Oktober färbt die Wälder spektakulär, ist aber Hochsaison.
  • Südwesten der USA (Arizona, Nevada, Kalifornien): Frühjahr und Herbst. Im Hochsommer wird es in Wüstengebieten lebensgefährlich heiß.
  • Florida und Karibikküste: November bis April. Von Juni bis November ist Hurrikansaison.
  • Westkanada und Alaska: Juni bis September für Wandern und Tierbeobachtung. Wer Polarlichter sehen will, kommt im Winter.
  • Mexiko: November bis April, die trockene und angenehmere Zeit. Die Regenzeit von Mai bis Oktober ist günstiger, aber feuchtwarm.

Geld, Bezahlen, Trinkgeld

In den USA und Kanada läuft fast alles über Karte, oft kontaktlos per Handy. Bargeld braucht man kaum noch, eine kleine Reserve schadet trotzdem nicht. In Mexiko sieht das anders aus, dort ist Bargeld auf Märkten und in kleineren Orten weiter wichtig.

Beim Trinkgeld trennen sich die Welten. In den USA sind 15 bis 20 Prozent im Restaurant üblich und faktisch erwartet, weil das Servicepersonal davon lebt. Wer nichts gibt, fällt negativ auf. Kanada liegt ähnlich. In Mexiko sind 10 bis 15 Prozent normal.

Ein Detail, das Reisende regelmäßig überrascht: In den USA werden Preise meist ohne Steuer ausgezeichnet. An der Kasse kommt die Sales Tax dazu, je nach Bundesstaat unterschiedlich hoch. Was 10 Dollar kostet, landet am Ende bei 10,80 oder mehr.

Gesundheit und Versicherung

Der wichtigste Satz dieses Abschnitts: Eine Auslandskrankenversicherung ist in Nordamerika nicht optional. Das US-Gesundheitssystem ist extrem teuer, ein Krankenhausaufenthalt kann fünfstellige Beträge erreichen. Ohne Versicherung bleibt man darauf sitzen. Eine Reisekrankenversicherung mit Rücktransport kostet für ein paar Wochen oft unter 30 Euro und gehört zwingend ins Gepäck.

Pflichtimpfungen gibt es für Deutsche normalerweise keine. Standardimpfungen sollten aktuell sein. Für ländliche Regionen Mexikos und bei bestimmten Aktivitäten lohnt eine reisemedizinische Beratung. Seit Mai 2026 gelten zudem Einreisebeschränkungen für Personen, die sich kurz zuvor in bestimmten afrikanischen Ländern aufgehalten haben, ein Detail, das die meisten Reisenden nicht betrifft, aber im Zweifel beim Auswärtigen Amt nachzulesen ist.

Sicherheit unterwegs

Pauschalurteile helfen wenig. Kanada gilt als sehr sicher. Die USA sind in den meisten touristischen Regionen unproblematisch, allerdings gibt es Stadtviertel, die man besser meidet, und das Thema Schusswaffen ist real. In Mexiko hängt die Lage stark von der Region ab. Die Strände an der Riviera Maya sind etwas anderes als das Hinterland mancher Bundesstaaten. Wer sich an die Reisehinweise des Auswärtigen Amts hält und nicht nachts allein durch unbekannte Gegenden fährt, reist in aller Regel ohne Zwischenfälle.

Auswandern nach Nordamerika

Urlaub ist das eine, dauerhaft bleiben das andere. Hier wird es bürokratisch, und die Hürden sind je nach Land sehr unterschiedlich.

USA: Greencard und Visa

Die Greencard gibt das Daueraufenthaltsrecht und erlaubt, überall in den USA zu leben und für jeden Arbeitgeber zu arbeiten. Drei gängige Wege führen dorthin:

  • Greencard-Lotterie (Diversity Visa): Jedes Jahr werden rund 55.000 Greencards verlost. Teilnahme im Oktober/November, kostenlos über die offizielle Regierungsseite dvprogram.state.gov. Die Confirmation-Nummer unbedingt aufbewahren, eine Gewinnbenachrichtigung gibt es nicht, man muss den Status selbst abfragen. Deutschland ist in der Regel teilnahmeberechtigt.
  • Arbeitsbasierte Greencard (EB-Kategorien): meist ein konkretes Jobangebot nötig, plus Nachweis, dass kein US-Amerikaner für die Stelle gefunden wurde. Ausnahmen gelten für außergewöhnlich qualifizierte Fachkräfte.
  • Heirat oder Familie: der klassische Weg über nahe Verwandte oder Ehepartner mit US-Staatsbürgerschaft.

Wer kürzer bleiben will, etwa für Arbeit oder Studium, braucht ein passendes Nichteinwanderungsvisum. Die US-Einwanderungspolitik ist politisch in Bewegung, Bedingungen und Länderlisten ändern sich. Vor konkreten Schritten lohnt eine Beratung durch eine spezialisierte Kanzlei.

Kanada: Express Entry für Fachkräfte

Kanada wirbt aktiv um qualifizierte Einwanderer, hat die Aufnahmequoten zuletzt aber gesenkt. Das wichtigste Programm ist Express Entry, ein Punktesystem für Fachkräfte. Grundvoraussetzungen:

  • Berufsabschluss, meist auf Bachelor-Niveau oder eine Handwerksausbildung
  • Englisch- oder Französischkenntnisse auf nachgewiesenem Niveau
  • mindestens zwölf Monate qualifizierte Berufserfahrung in den letzten zehn Jahren
  • finanzielle Mittel zum Start, für eine Einzelperson grob 18.000 bis 25.000 CAD

Die Gesamtkosten für ein PR-Visum über Express Entry liegen bei etwa 2.500 bis 3.000 CAD, abhängig von der Familiengröße. Anträge laufen ausschließlich online über das IRCC-Portal. Kanada gilt als das digitalste Einwanderungssystem der Welt, was den Prozess immerhin übersichtlich macht.

Mexiko: einfacher, als viele denken

Mexiko ist bei Auswanderern und Langzeitreisenden beliebt, weil die Hürden niedriger sind. Für längere Aufenthalte gibt es das temporäre und das permanente Residentenvisum, die unter anderem über einen Einkommens- oder Vermögensnachweis laufen. Für Rentner und Selbstständige mit festem Einkommen ist der Weg oft überraschend gut gangbar.

Kurz zusammengefasst

Nordamerika ist kein Reiseziel, sondern ein Dutzend davon unter einem Namen. Pass rechtzeitig prüfen, die richtige Einreisegenehmigung vorab beantragen, Auslandskrankenversicherung nicht vergessen, und je nach Ziel die Reisehinweise checken. Dann steht der Reise nichts im Weg, ob es ein Roadtrip durch den Südwesten wird, eine Wanderung durch die Rockies oder der Schritt in ein neues Leben.

Stand: Juni 2026. Einreise- und Einwanderungsbestimmungen ändern sich laufend. Verbindliche Auskünfte geben das Auswärtige Amt und die jeweiligen Botschaften.