
Die Westküste ist der große Roadtrip-Klassiker. Über 2000 Kilometer ziehen sich Washington, Oregon und Kalifornien am Pazifik entlang, von den Regenwäldern und Vulkanen im Norden bis zu den Stränden Südkaliforniens. Anders als an der dichter besiedelten Ostküste geht es hier mehr um Natur, Weite und Fahren. Die Distanzen sind größer, die Landschaften dramatischer.
Dieser Ratgeber hilft bei der konkreten Planung: welche Region wann am schönsten ist, wie ein Roadtrip aussieht, was bei den Nationalparks 2026 zu beachten ist und womit man beim Budget rechnen sollte. Die formalen Einreisethemen wie ESTA und Reisepass stehen im Nordamerika-Ratgeber, das gilt auch hier.
Die drei Bundesstaaten der Westküste
Washington im Norden
Grün, feucht, gebirgig. Seattle ist die Großstadt, eingerahmt von den Olympic und Cascade Mountains. Drumherum liegen drei beeindruckende Nationalparks: Olympic mit Regenwald und Küste, Mount Rainier mit dem vergletscherten Vulkan und North Cascades. Wer Wandern, Kajak und kühleres Klima mag, ist hier richtig. Der Pazifische Nordwesten ist allerdings auch die regenreichste Ecke der Küste.
Oregon in der Mitte
Oft übersehen, zu Unrecht. Portland ist für seine eigenwillige Kultur- und Foodszene bekannt, die Küste mit ihren Felsformationen gehört zu den schönsten der USA, und der Crater Lake ist der tiefste See des Landes. Oregon hat keine Sales Tax, Einkaufen ist hier also etwas günstiger als in den Nachbarstaaten.
Kalifornien im Süden
Fast ein eigenes Land. Im Norden die Redwood-Wälder mit den höchsten Bäumen der Erde und das kühle, oft nebelverhangene San Francisco. In der Mitte die Küstenstraße Big Sur und die Weinregionen Napa und Sonoma. Im Süden Los Angeles, San Diego und die sonnensicheren Strände. Dazu im Landesinneren die Nationalparks Yosemite, Sequoia und das Death Valley. Kalifornien allein füllt problemlos eine ganze Reise.
Beste Reisezeit
Wie bei der Ostküste gibt es nicht die eine Antwort, weil zwischen Seattle und San Diego klimatisch Welten liegen:
- Pazifischer Nordwesten (Washington, Oregon): Juli bis September. Den Rest des Jahres ist es oft nass. Der Sommer ist hier kurz, aber zuverlässig schön.
- Nord- und Mittelkalifornien (San Francisco, Big Sur): Spätfrühling und Frühherbst. San Francisco ist im Hochsommer oft neblig und kühler, als viele erwarten. Mark Twain wird der Spruch zugeschrieben, der kälteste Winter sei ein Sommer in San Francisco gewesen, und da ist etwas dran.
- Südkalifornien (Los Angeles, San Diego): fast ganzjährig angenehm. Selbst im Winter mild.
- Wüsten und Nationalparks im Landesinneren (Death Valley, Yosemite-Höhenlagen): Frühjahr und Herbst. Das Death Valley wird im Hochsommer lebensgefährlich heiß, in Yosemite ist die Tioga Road bis etwa Mai noch wegen Schnee gesperrt.
Für die komplette Strecke von Nord nach Süd ist der Spätsommer (September) der beste Kompromiss: Der Nordwesten ist noch trocken, Kalifornien sonnig, und die größten Sommermassen sind weg.
Roadtrip-Routen
Der Klassiker: Pacific Coast Highway (7 bis 14 Tage)
San Francisco nach Los Angeles über den Highway 1, mit Big Sur als Höhepunkt. Eine der berühmtesten Küstenstraßen der Welt. Reine Fahrzeit wären rund zehn Stunden, aber genau das wäre der Fehler. Die Strecke lebt von den Stopps: Monterey, Bixby Bridge, die Robbenkolonien, Santa Barbara. Lieber eine Woche oder mehr einplanen.
Ein Hinweis, der sich ändern kann: Big Sur ist immer wieder von Erdrutschen und Straßensperrungen betroffen. Vor der Fahrt den aktuellen Zustand des Highway 1 prüfen.
Die große Küstentour: Seattle bis San Diego (3 Wochen)
Die Gesamtstrecke ist lang, gut 2000 Kilometer plus Abstecher. In drei Wochen machbar, aber man sollte sich auf Abschnitte konzentrieren statt durchzurasen. Eine sinnvolle Variante: Nordwesten und Kalifornien als zwei getrennte Reisen behandeln.
Kalifornien-Rundreise mit Nationalparks (10 bis 14 Tage)
San Francisco, Yosemite, weiter ins Death Valley, dann nach Los Angeles und San Diego. Diese Schleife verbindet Stadt, Hochgebirge, Wüste und Strand. Sehr beliebt und gut organisierbar, oft auch in Kombination mit Las Vegas und dem Grand Canyon, die zwar streng genommen nicht mehr zur Küste gehören, aber gut auf der Route liegen.
Nationalparks: das sollte man 2026 wissen
Die großen kalifornischen Parks gehören zu den Höhepunkten jeder Westküstenreise, brauchen aber etwas Planung.
Yosemite verlangt 2026 keine Eintrittsreservierung mehr, das wurde im Februar 2026 entschieden. Das klingt entspannt, ist es aber nur bedingt: An den ersten großen Wochenenden waren die Parkplätze im Valley schon gegen 11 Uhr voll, an der Südeinfahrt gab es Wartezeiten von anderthalb Stunden. Wer im Sommer kommt, sollte früh am Morgen an der Einfahrt sein oder unter der Woche fahren. Auch Arches und Glacier haben die Reservierungspflicht fallen lassen, Rocky Mountain behält sie. Diese Regeln ändern sich aber fast jährlich, also vor der Reise unbedingt auf nps.gov nachsehen.
Für alle Parks gilt: Der America the Beautiful Pass für rund 80 Dollar lohnt sich, sobald man drei oder mehr Parks besucht. Er gilt ein Jahr für alle Nationalparks. Campingplätze in beliebten Parks wie Yosemite muss man oft Monate im Voraus buchen, die Plätze sind nach Freischaltung teils in Minuten weg.
Anreise und Verkehr
Direktflüge aus Deutschland gehen nach Los Angeles, San Francisco und Seattle, Flugzeit rund elf bis zwölf Stunden. Anders als im Nordosten der USA braucht man hier fast überall ein Auto. Der öffentliche Nahverkehr ist außerhalb der Innenstädte schwach, und die Distanzen sind ohne eigenen Wagen kaum zu bewältigen. Ein Mietwagen ist für die Westküste praktisch Pflicht.
Die übliche Warnung an deutsche Reisende gilt hier doppelt: Die Strecken sind weiter, als sie auf der Karte wirken. San Francisco nach Los Angeles sind je nach Route sechs bis zehn Stunden, Seattle nach San Diego liegt über zwei lange Reisetage auseinander.
Budget
Kalifornien, besonders San Francisco und die Küstenorte, ist teuer. Hotels in der Hauptsaison ziehen kräftig an. Für eine Rundreise mit Mittelklassehotel, Mietwagen und Verpflegung sollte man ähnlich wie an der Ostküste mit grob 250 Euro pro Person und Tag rechnen, in Kalifornien eher mehr. Wer mit dem Wohnmobil reist, spart bei Unterkunft und Verpflegung, zahlt dafür Stellplatz und Sprit.
Nicht vergessen: Trinkgeld von 15 bis 20 Prozent ist auch hier erwartet, und die Sales Tax kommt erst an der Kasse zum Preis dazu (außer in Oregon, das keine hat).
Kurz zusammengefasst
Die Westküste ist die Roadtrip-Region der USA: Auto buchen, Zeit mitbringen, Natur genießen. Für den Nordwesten der Sommer, für Südkalifornien fast jede Jahreszeit, für die ganze Strecke der September. Wer Nationalparks einplant, checkt vorher die aktuellen Regeln und kommt morgens früh. Und wie überall in den USA gilt: lieber weniger Ziele und mehr Zeit, statt jeden Tag hinterm Steuer zu verbringen.
Stand: Juni 2026. Einreisebestimmungen (ESTA, Reisepass) siehe Nordamerika-Ratgeber. Nationalpark-Reservierungen ändern sich jährlich, aktuelle Infos auf nps.gov und beim Auswärtigen Amt.






